Georgien im Überblick
Georgien liegt am Schnittpunkt von Europa und Asien, zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus. Das Land verbindet eine der ältesten Kulturen der Region mit spürbarem wirtschaftlichem Aufschwung und zählt seit Jahren zu den gefragtesten Standorten für Investoren, Auswanderer und Unternehmer aus aller Welt. Die folgenden Abschnitte geben einen Überblick über Geschichte, Kultur, Bevölkerung, Klima und die wichtigsten praktischen Fakten.
Geschichte
Überblick über die Geschichte Georgiens
Georgien gehört zu den ältesten dauerhaft besiedelten Regionen der Welt. Seine Lage zwischen Europa und Asien machte das Land über Jahrtausende zu einem wichtigen Handels- und Kulturzentrum, zugleich aber auch zum Ziel zahlreicher Eroberer.
Vorgeschichte (bis ca. 500 v. Chr.)
Archäologische Funde zeigen, dass bereits vor etwa 1,8 Millionen Jahren frühe Menschen im heutigen Georgien lebten. Die Fossilien von Dmanissi gehören zu den ältesten menschlichen Überresten außerhalb Afrikas. Später entstanden erste Siedlungen, Metallverarbeitung und Landwirtschaft: Georgien gilt als eine der Wiegen des Weinbaus, die ersten Hinweise auf Weinherstellung sind rund 8.000 Jahre alt.
Antike (500 v. Chr. – 500 n. Chr.)
In der Antike bestanden mit Kolchis im Westen und Iberien im Osten zwei bedeutende Reiche. Kolchis wurde durch die griechische Sage vom Goldenen Vlies und Jason weltberühmt. Die Römer dehnten später ihren Einfluss auf Teile Georgiens aus, während im Osten Persien dominierte.
Christianisierung (4. Jahrhundert)
Ein entscheidender Wendepunkt war das Jahr 337 n. Chr.: Georgien wurde eines der ersten christlichen Länder der Welt, noch vor vielen europäischen Staaten. Das Christentum wurde maßgeblich durch die heilige Nino von Kappadokien verbreitet. Die georgisch-orthodoxe Kirche prägt das Land bis heute.
Das Goldene Zeitalter (11.–13. Jahrhundert)
Dies war die Blütezeit Georgiens. Unter David IV. und später Königin Tamar entwickelte sich das Land zu einer der stärksten Mächte im Kaukasus. Das Reich umfasste zeitweise große Teile des heutigen Georgien, Armenien, Aserbaidschan und der Nordosttürkei. In dieser Zeit entstanden bedeutende Klöster, Burgen und Literatur, viele Georgier betrachten diese Epoche bis heute als Höhepunkt ihrer Geschichte.
Mongolen und Fremdherrschaft
Ab dem 13. Jahrhundert begann der Niedergang. Das Land wurde nacheinander von Mongolen, Timur, Persern und Osmanen angegriffen oder beherrscht und zerfiel schließlich in mehrere kleinere Königreiche.
Russisches Kaiserreich (1801–1917)
Das Russische Reich annektierte schrittweise fast ganz Georgien. Einerseits entstanden Eisenbahnen, eine moderne Verwaltung und erste Industrie, andererseits verlor Georgien seine staatliche Unabhängigkeit.
Erste Republik (1918–1921)
Nach dem Zerfall des Zarenreichs erklärte Georgien 1918 seine Unabhängigkeit. Die demokratische Republik bestand jedoch nur knapp drei Jahre, bevor 1921 die Rote Armee einmarschierte.
Sowjetunion (1921–1991)
Georgien wurde Teil der Sowjetunion. Interessant: Josef Stalin selbst stammte aus Georgien und wurde in Gori geboren. Während der Sowjetzeit entwickelte sich Georgien wirtschaftlich vergleichsweise gut, bekannt waren vor allem Wein, Tee, Mineralwasser und der Tourismus an der Schwarzmeerküste. Gleichzeitig herrschten politische Unterdrückung und fehlende Meinungsfreiheit.
Unabhängigkeit seit 1991
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde Georgien erneut unabhängig. Die ersten Jahre waren geprägt von Bürgerkriegen, Wirtschaftskrise, Stromausfällen und starker Korruption. Die Regionen Abchasien und Südossetien lösten sich in dieser Zeit faktisch vom georgischen Staat.
Rosenrevolution (2003)
Ein friedlicher Machtwechsel brachte tiefgreifende Reformen. Unter Micheil Saakaschwili wurden Korruption massiv bekämpft, die Polizei reformiert, Behörden modernisiert und Investitionen erleichtert. Diese Reformen machten Georgien international für seine unkomplizierte Verwaltung und sein unternehmensfreundliches Umfeld bekannt.
Krieg 2008
Im August 2008 kam es zum Krieg zwischen Georgien und Russland um Südossetien. Seitdem erkennt Russland sowohl Südossetien als auch Abchasien als unabhängige Staaten an, während die überwiegende Mehrheit der internationalen Gemeinschaft beide Regionen weiterhin als Teile Georgiens betrachtet.
Georgien heute
Heute hat Georgien rund 3,8 Millionen Einwohner und verbindet europäische Kultur, orthodoxes Christentum, kaukasische Traditionen und eine moderne Reformpolitik. Besonders stark wachsen Tourismus, Immobilienmarkt, der IT- und Start-up-Sektor sowie internationale Dienstleistungen. Gleichzeitig verfolgt Georgien einen außenpolitischen Balanceakt zwischen der angestrebten Integration mit Europa und den komplexen Beziehungen zu Russland.
Warum ist Georgien historisch so besonders?
Georgien war über Jahrtausende eine Brücke zwischen Europa und Asien. Händler, Armeen und Kulturen aus Griechenland, Persien, Rom, Byzanz, dem Osmanischen Reich und Russland hinterließen ihre Spuren. Trotz zahlreicher Eroberungen bewahrte das Land seine eigene Sprache, sein Alphabet und seine christliche Tradition, Eigenschaften, die eine ausgeprägte nationale Identität geschaffen haben und Georgien bis heute einzigartig machen.
Kultur
Georgien besitzt eine eigenständige Sprache und ein eigenes Alphabet, das seit rund 1.500 Jahren weiterentwickelt wurde. Auch der mehrstimmige georgische Gesang zählt zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit und ist fester Bestandteil von Festen und Feiern im ganzen Land.
Als eine der ältesten Weinregionen der Welt blickt Georgien auf mehr als 8.000 Jahre Weinbautradition zurück. Die traditionelle Reifung in tönernen Qvevri-Gefäßen unter der Erde ist als UNESCO-Kulturerbe anerkannt und prägt bis heute die georgische Küche und Gastfreundschaft, allen voran die Supra, ein festliches Gastmahl mit zahlreichen Trinksprüchen unter Leitung eines Tamada.
Bevölkerung
Georgien zählt aktuell knapp 3,8 Millionen Einwohner. Rund ein Drittel davon lebt in der Hauptstadt Tiflis, die zugleich das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes ist. Die Bevölkerung ist überwiegend georgisch-orthodox geprägt, daneben leben aserbaidschanische, armenische, russische und weitere Minderheiten im Land.
≈ 3,8 Mio.
Tiflis
≈ 1,2 Mio. Einwohner
Georgisch
Mehrheitlich orthodox
Klima
Trotz seiner überschaubaren Größe bietet Georgien eine bemerkenswerte klimatische Vielfalt. An der subtropischen Schwarzmeerküste rund um Batumi sorgen milde Winter und feuchtwarme Sommer für üppige Vegetation. Im Osten des Landes, etwa in Tiflis und der Weinregion Kachetien, herrscht ein trockeneres Kontinentalklima mit heißen Sommern und kühlen Wintern. Wer es alpin mag, findet in den Höhenlagen des Kaukasus verlässlichen Schnee und beliebte Skigebiete wie Gudauri oder Mestia.
Subtropisch, milde Winter, feuchtwarme Sommer
Kontinental, heiße Sommer, kühle Winter
Alpin, schneesicher in den Wintermonaten
Wissenswertes
Ein kurzer Überblick über praktische Eckdaten, die für Reise, Aufenthalt und Umzug nach Georgien relevant sind.
Georgischer Lari (GEL)
GMT+4
ganzjährig, keine Sommerzeit
Rechtsverkehr
Bis zu 365 Tage
für zahlreiche Nationalitäten, u. a. EU, USA, UK, Kanada
Georgisch
Tiflis
